Berichte
Der MSC Höchstädt im Fichtelgebirge stellt seine Aktiven vor
HÖCHSTÄDT – ein kleiner beschaulicher Ort im Herzen des Fichtelgebirges, ruhig und alltäglich wie tausend andere Orte auch. Dennoch hat Höchstädt etwas besonderes, den MSC Höchstädt und seinen KTM - Ring, auf dem jedes Jahr nationale und internationale Meisterschaften auf 2 und natürlich 4 Rädern ausgetragen werden. Die ersten Meisterschaftsläufe im Autocross starteten bereits kurz nach der Wende und die Begeisterung für Autocross wurde immer größer. Unter der Feder- und Vereinsführung von Horst Schlegel (zur damaligen Zeit selbst ein „Aktiver“) erlangte der MSC Höchstädt mit seiner mitten im Wald gelegenen Rennstrecke einen hohen Bekanntheitsgrad und war gerade wegen der Strecke sehr beliebt.
Nachdem Schlegel die Vereinsführung in andere Hände legte und selbst die „4 Räder“ an den Nagel hing, wurde es in Sachen Autocross ruhiger um den MSC. Bis – ja bis der Nachwuchs an die Front drängte und seit 5 Jahren „bewegt“ sich wieder was! Mittlerweile sind es 7 Aktive Fahrer, die mit aller Kraft und Ausdauer die ihnen zur Verfügung stehen den MSC Höchstädt wieder „in aller Munde“ legen.
In der Deutschen Meisterschaft im Autocross starten 2011 gleich 3 Fahrer; in der großen Crossergemeinde bekannt und beliebt sind Christoph Wanninger und Achim Krautzberger. Dazu gesellt sich heuer noch eine junge Dame, die der Männerwelt das fürchten lehren will!
Der „Dienstälteste“ der DM-Fahrer ist wohl Achim Krautzberger, obwohl er erst vor 5 Jahren von den Lizenzfreien in die DM gewechselt ist. Angefangen hat seine Begeisterung 1997, als er einen komplett rennfertigen Golf I „mehr aus Zufall“ gefunden hatte. Der selbständige KFZ-Meister bezeichnet den 1600ccm Golf auch jetzt noch als sein „Baby“, denn im Laufe der Zeit wurden sehr viele Veränderungen vorgenommen. „Das einzige was noch halbwegs seriennah anmutet ist wohl das Getriebe“, sagt er. „Kugelfischer, geplanter Zylinderkopf, überarbeitete Ein - und Auslasskanäle, Sperre“, alles drin. „Nur leider passt er dadurch nicht mehr so ganz in die gängigen Klasseneinteilungen. Der Spaßfaktor mit diesem Auto war allerdings nicht mehr zu toppen“.
„Bei einem Autocrosstraining in Höchstädt lernte ich 2002 den jungen Tobias Greiner kennen,“ erzählt der leidenschaftliche Hobbykoch, „ich half ihm sein Auto zu optimieren und war auch immer öfters auf den DM - Veranstaltungen als Schrauber dabei“. Der Zufall wollte es wieder, daß Achim Krautzberger 2005 ein Auto aus Kundenhand „blieb“. Kurzerhand entschloß er sich dazu, diesen Renault 19 16V auf DM Basis für die Klasse 2 Serientourenwagen auszubauen und 2006 war er das erste Mal in der DM dabei. Und das lief von Anfang an nicht mal so schlecht. „Der 19er war und ist ein sehr zuverlässiges Auto, kein einziges Mal Motorprobleme oder Getriebeschäden und er hat mir sogar übelste Streckenbedingungen und die „Wasserspiele von Seelow 2008“ verziehen. Alles im Allem war ich immer relativ gut dabei, mal weiter vorne , mal weiter hinten – wie das halt so ist. So ganz zufrieden war ich dennoch nicht mit den Ergebnissen und da ja der Mensch bekanntlich immer nach etwas neuen strebt, fiel mir ein Renault Clio Sport ins Auge. Meiner Klasse 2 wollte ich auch treu bleiben, also habe ich den kleinen Bruder des Renault 19 aufgebaut und 2009 sollte er zum ersten Mal zum Einsatz kommen. Sollte – denn es kam ganz anders und 2009 war ein absolut „Autocross-Freies-Jahr“ für mich. Erst 2010 war ich wieder ein paar Mal vertreten, sozusagen ein Testjahr um die Kinderkrankheiten auszuloten. In Gründau hat da der „Kleine“ schon einmal eindrucksvoll gezeigt, was alles in ihm steckt. Für 2011 habe ich mir noch nicht viel vorgenommen, außer : Öfters dabei zu sein, ja – das ist mein Ziel.
„Mein grüner Blitz ist wohl mittlerweile bekannt“, sagt Christoph Wanninger. Der gelernte KFZ Mechaniker, dessen Markenzeichen die langen schwarzen Haare sind, fühlt sich sichtlich wohl in der Buggy-Klasse 4 bis 600ccm. „Obwohl ich auch erst seit 2006 in der DM dabei bin, habe ich schon ein paar Fahrzeugtypen durch“. Angefangen hat alles, als Tobias Greiners Citroen AX zum Verkauf stand. „Ein gutes Auto dachte ich mir, das will ich haben. Nur – wie bringe ich das meinen Eltern bei, daß ich jetzt auch aktiv in den Sport einsteigen möchte? Nach ein paar zähen Verhandlungen im elterlichen Wohnzimmer – zum Glück war gerade die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen – ging das Auto dann endlich in meinen Besitz über“, erzählt Christoph. Das Debüt war 2005 in Ortrand. Reich an Erfahrung von Anfang an nicht zuviel zu wollen (ein 2facher Überschlag im ersten Lauf bremst etwas die Euphorie), wurde für 2006 die DM in Angriff genommen... Zunächst noch mit dem Citroen AX erfolgte dann der Wechsel auf einen Suzuki Swift Gti. „Allerdings litt zur damaligen Zeit die Klasse 1 Serientourenwagen schon unter enormen Fahrerschwund und Klasse 2 war nicht so mein Ding“, meint er. „Wenn schon Klassenwechsel, dann gleich richtig“. Zum Glück stand der Buggy von Michael Mayer zum Verkauf, ein Kart von WM Motorsport – warum nicht! Seit 2008 ist nun Christoph Wanninger in der Klasse 4 der Spezialcrossfahrzeuge bis 600ccm dabei und 2010 war sein bisher erfolgreichstes Jahr. Mit seinem im „grünen Blitz“ verbauten 120 PS starken Suzuki GSXR Motor hat er in der Klassenwertung den 3.Platz erreicht und – worauf Christoph sehr stolz ist – in der Gesamtwertung der ganzen Spezialcrossfahrzeuge den 6. Platz. Für 2011 möchte er natürlich wieder eine Platzierung unter den ersten 10 Fahrern erreichen, „wobei ich eigentlich nicht schlechter als 2010 sein möchte“ sagt er lächelnd.
Der Neuling des MSC Höchstädt in der Deutschen Meisterschaft ist zweifellos Angelie Swanepoel. Die hübsche Blondine betreibt den Sport erst seit 2 Jahren aktiv, obwohl sie in Sachen Motorsport eigentlich ein alter Hase ist. War sie doch noch bis vor nicht allzu langer Zeit Beifahrerin in einem Rally-Polo und dazu noch 3. Siegerin im Juniorenpokal der Nordbayerischen Meisterschaften. Wie steigt man vom Rallysport auf Autocross um? Diese Frage hat sie ganz schnell beantwortet: „Man trennt sich vom Lebensgefährten“ – „und man geht bei Achim und Annelie Krautzberger ein und aus“.
Noch in ihrer aktiven Rallyzeit hatte sie einen kleinen umgebauten Polo, „nix Besonderes“ sagt sie. „Aber zum testen und Blut lecken am Autocross hat es gereicht“. Auf Achims Werkstattgelände fand sie dann das Objekt ihrer Begierde – ein Golf II, schon umgebaut mit Käfig und allem Drum und Dran, nur das Kleid hatte gewaltige Schönheitsfehler. „90 PS zum Anfang reichen“, und damit ging der Golf in den Besitz der jungen Bauschlosserin über. Ihre ersten Offiziellen Fahrten hatte sie dann bei Lizenzfreien Veranstaltungen , unter anderem auch in Kesseltal. Das reichte ihr aber nicht mehr. Deutsche Meisterschaft im Autocross hieß von nun an ihr Traum. Und der soll 2011 endlich in Erfüllung gehen. Angelie fährt in der Klasse 2 Serientourenwagen den Renault 19 aus Achim Krautzbergers Schmiede. „Das ich dieses Auto bekommen habe, hat mich viel Überredungskunst, bitten und betteln gekostet, aber ich habe mir fest vorgenommen , daß ich das in mich gesetzte Vertrauen nicht enttäuschen werde!“
Die Lizenzfreie Crew des MSC Höchstädt besteht derzeit aus 4 Fahrern, was aber an und für sich nicht so ganz richtig ist. Drei der vier Sportler konnten sich einfach noch nicht entscheiden, Lizenzfrei oder DM. Und wenn schon mal ein Wagenpass für das Fahrzeug vorhanden ist...
Bei dem Namen Thomas Witt kommen Kenner der früheren Zeiten ins grübeln. Thomas Witt, irgendwie ist der Name noch im Kopf! Wenn man dann den legendären weißen Alfa 33 4x4 erwähnt, lichtet sich das Dunkel. „Natürlich – Thomas Witt aus Neuhaus, der von 1994 bis 1999 in der DM bei den Supertourenwagen recht gut dabei war. Der sympathische Oberpfälzer, der schon im Alter von zarten 7 Jahren durch seinen Onkel Heinrich Windschiegl mit dem Virus Autocross infiziert wurde, denkt immer wieder gerne an diese frühere Zeit zurück. „Mein Onkel hat mich damals ab 1969 zu jedem Rennen des ONS - Autocross Pokal mitgenommen, so machte ich als junger Bursch schon die Bekanntschaft mit Helmut Klein, Udo Schwab und Jürgen Grund.“ 1986 war es dann soweit und Thomas Witt konnte selbst mit einem 2l BMW Eigenbau Buggy bei den Lizenzfreien mitfahren. Erst 1994 stieg er dann auf den besagten Alfa 33 um und hielt seinen Einzug in die DM. „Wer weiß wie lange ich den Alfa noch gefahren hätte, wenn – ja wenn 1999 nicht mein Herz ein bisschen Probleme gemacht hätte“, sinniert er. Schweren Herzens mußte er eine längere Pause einlegen und aus der Pause wurden 11 Jahre. Bis jetzt! Denn nun ist der Virus der nur im Körper schlummerte wieder ausgebrochen und der ambitionierte Hobby-Bierbrauer hat sich wieder einen Wagen zugelegt. „Natürlich für die Klasse 3 Supertourenwagen, was sonst“? Vorerst hält sich Thomas Witt (der in seiner Heimat nur unter dem Namen „der Bahler“ bekannt ist) die Option noch frei, mit dem Opel Astra in der DM zu starten. „Ein Wagenpass ist vorhanden, das ist das wichtigste“, sagt er. „Aber zuerst probiere ich mein Glück trotzdem bei den Lizenzfreien!“
Armin Dilsch war schon als 15jähriger bei seinen ersten Veranstaltungen am „Ring“ dabei. „Als Streckenposten habe ich damals schon genügend Benzin geschnuppert und Blut geleckt“, erzählt der selbständige Elektromeister. „Aber zuerst hat es am nötigen Kleingeld gefehlt und dann an der Zeit, so konnte ich meine Autocross - Erfahrungen immer nur an der jedes Jahr stattfindenden Helfercross Veranstaltung sammeln“. Vor 4 Jahren bot sich mir dann die Gelegenheit, einen Golf II zu kaufen der eigentlich auf der Straße bewegt wurde. Als Basis war der Käfig schon drin, alles andere mußte noch gemacht werden“. Zu der Veranstaltung in Höchstädt war der 90PS Golf dann fertig, nach der Veranstaltung allerdings war er wieder „fertig“, ein Überschlag in der Kellerkurve ließ das Auto etwas abenteuerlich anmuten. „Vorne etwas flacher, seitlich etwas schmäler, aber ich konnte noch weiterfahren“ erinnert sich der Höchstädter. In Kesseltal war das „Goldbärchen“ (abgeleitet vom Haribo Goldbärchen) dann wieder technisch ok und optisch eher ein Harlekin-Golf, dennoch - in Kesseltal folgte die bisher beste Plazierung in der Klassenwertung. Danach war irgendwie „der Wurm drin“, mal machte die Kupplung schlapp, dann defekte Motorlager, dann wieder ein Getriebeschaden; außerdem ist ein 90 PS Motor zwar schön für den Anfang, aber irgendwann möchte man einfach mehr. Und so begann auch noch die haarsträubende Suche nach einem 16V Gti Motor. „Das eigentliche Ziel für 2011 sollte ein konkurrenzfähiger Wagen sein mit dem ich knitterfrei ins Ziel komme“, meint der bekennende Eishockeyfan schmunzelnd. Doch meistens kommt es anders als man denkt. Über einen Bekannten sollte ein Fahrzeug verkauft werden, welches relativ schnell weg mußte. „Jetzt habe ich meinen neuen Motor, allerdings mit einem Seat Ibiza außen drum herum und was das beste ist – einen Wagenpass hat das Auto auch noch“! Option für 2011 – Alles ist offen und alles wird gut!
Andreas Gebhardt ist der Neuling in der Höchstädter Crew und in Sachen Autocross ein sogenannter „Frischling“. „Gereizt hätte mich das Fahren schon, aber ich war der Schrauber, da gab es nichts zu rütteln“ erzählt der junge Mann, „was tut man nicht alles für seine Liebste“! So ganz nebenbei erwähnt er noch, daß er ja der Lebenspartner von Angelie Swanepoel ist. Jetzt kann er Fahren, Angelie`s Golf darf doch nicht ungenützt in der Ecke stehen bleiben. „Die ersten Testfahrten sind auch zur Zufriedenheit verlaufen“, meint der als Fachkraft für Lagerlogistik angestellte Andreas. „Wir werden sehen was das Jahr 2011 so aus Motorsportlicher Sicht bringt; heil ins Ziel kommen und nicht gerade letzter sein, das wäre schon ein Anfang“.
Die Gebrüder Eitner komplettieren die Riege der Höchstädter Autocrosser, wobei sich Florian (der jüngere) und Sebastian (der ältere) noch nicht einmal so sicher sind, wer von beiden den FLEISE FM1 pilotieren darf. „Wer besser in den Rennanzug passt“ meint Florian der Maschinenbau studiert, schmunzelnd. Die Brüder, die fast immer im Doppelpack anzutreffen sind, haben das Fahrzeug alleine entwickelt und alles in Eigenleistung angefertigt. Der Buggy, der von einem 120PS starken Yamaha YZF-R6 Motor angetrieben wird und ein sequentielles 6 Gang Getriebe besitzt, wurde komplett für die DM Klasse 4 aufgebaut. „Uns beiden wurde das Rennfahrer-Gen quasi in die Wiege gelegt“, erzählt der Student für Elektrotechnik Sebastian. „Unser Vater war selbst über viele Jahre hinweg aktiver Motorsportler und wem wundert es da, daß wir in seine Fußstapfen getreten sind“. Angefangen vom Kartslalom über Rallye 200 bis zu diversen Orientierungsfahrten, zu zweit haben die beiden schon genügend Erfahrungen gesammelt. Nun haben sie eine neue Herausforderung gesucht und gefunden. Ihr Ziel ist es die Eigenentwicklung auszureifen und zu testen. „Je nachdem was für Probleme auftreten, wir starten bei Lizenzfreien Veranstaltungen und vereinzelt auch in der DM Klasse 4, auf jeden Fall wird 2011 unser persönliches Testjahr. Was danach kommt – wir werden sehen“ antworten beide unisono.